Monika Schiessler – als mein Körper mich zwang, genau hinzusehen

Monika Schiessler – als mein Körper mich zwang, genau hinzusehen

Mrz 19, 2020 | Frauen inspirieren Frauen | 0 Kommentare

Februar 2018…

Ich wache auf, juhu, ich hatte eine richtig gute Nacht mit nur wenig Schmerzen, was für eine Erholung. Ich liege ganz ruhig da und genieße es, keine Schmerzen zu fühlen. Doch gleich muss ich aufstehen, der schlimmste Moment des Tages, die Schmerzen sind höllisch. Vor zwei Wochen bekam ich die Diagnose für meinen Höllentrip, Zyste an der Wirbelsäule, drückt auf den Ischias-Nerv, plus Arthrose. Ich fiel in ein Loch aus Verzweiflung, Ohnmacht und Panik.

Ich ging zu sechs verschiedenen Ärzten und bekam sechs verschiedene Meinungen, zu alt für eine OP, zu jung für eine OP, ohne OP geht’s nichts, am besten gleich noch mit Versteifung, wegen dem Hohlkreuz, eine OP solange wie möglich rausschieben, man weiß ja nie, wie es ausgeht. Hey, ihr lieben Ärzte, wenn ihr nicht wisst, was das Beste für mich ist, wie soll ich es denn dann wissen?

Okay, meine Gedanken konzentrieren sich jetzt auf das Aufstehen, ich möchte gerne in die Arbeit gehen, ein bisschen Normalität und Verdrängung meiner Schmerzen tun mir gut. Also, erstmal in den Vierfüßler-Stand, uff, drehen ist schon fies, dann das linke Bein aus dem Bett stellen, an der Bettrückenwand festhalten, tief Luft holen und aufstehen…. MIST, tut das weh…der Schmerz schießt wie ein Stromschlag durch meinen Körper, mir bleibt die Luft weg, mein Herz rast, die Tränen schießen mir in die Augen. Aber ich stehe, YEAH, jetzt noch ein bisschen bewegen und der Schmerz wird langsam erträglicher. Soll ich gleich eine Tablette nehmen oder lieber warten?

Ich warte lieber, ich mag keine Tabletten. Doch so kann es nicht weitergehen. Bis Mittag kämpfe ich mit einer mittleren Depression und der Gedanke nie mehr aufzuwachen, hat etwas sehr Verlockendes. Neuer Plan, ich nehme mir Zeit, Zeit meinen inneren Impulsen zu lauschen und dort meine Antworten zu finden und tatsächlich, da meldet sich eine deutliche Stimme. „Auf gar keinen Fall eine OP, dein Körper regeneriert sich, wenn du deinen Impulsen folgst. Du nimmst dir so viel Zeit, wie es braucht!“ Das ist eine Ansage und ich spüre, ich habe keine Wahl.

Wenn ich wieder schmerzfrei werden möchte, dann ist das der Weg. Und so folge ich vielen Impulse: „Gehe zu dieser Kraftortwanderung“ und schwupps bekomme ich die Adressen von einer großartigen Osteopathin und einer Ayurveda Masseurin. Diese bescheinigt mir einen körperlichen Burnout. Also nehme ich mir noch mehr Zeit, zum Schlafen, zum Träumen, zum Nachdenken, zum Nichts tun. Ich gehe zur Ohrakupunktur, zur Physio, buche eine Seelenreise, um das seelische Thema dahinter zu verstehen, lasse mir energetisch das Thema Ischias aufstellen und staune Bauklötze, was eine „fremde“ Frau über meinen Papa weiß. Und tatsächlich, langsam, ganz langsam beruhigt sich der Ischias Nerv, die Schmerzen werden weniger.

Auch die körperliche Ebene darf genährt und gesehen werden und so gebe ich einiges an Geld aus für Nahrungsergänzungsmittel, Heilpraktiker, Osteopathie, eine neue Matratze muss her. Dann möchte mein Körper auch regelmäßig Bewegung und Dehnübungen. Täglich reibe ich mich mit einem stinkenden Öl ein, um es 30 Minuten später wieder abzuwaschen. Jeden Tag, 30 Minuten nichts tun können, ich mag diese Zwangspause. Zeitweise kann ich nicht mehr auf der Couch sitzen, nun gut, dann sitze ich eben auf einem Stuhl, mein Körper zeigt mir sehr deutlich, was er mag, was er braucht.

Es ist ein unaufhörliches ausprobieren, im Fitness-Studio merke ich sehr schnell, was mein Körper fördert und was den Nerv zusätzlich reizt. Meinen geliebten Fitness-Sport in der Tanzschule muss ich leider aufgeben, auch das ist ein Preis, den ich zahlen muss. Die Arbeit in meiner Praxis fahre ich soweit es geht zurück, denn wenn ich nicht zu 100% präsent bin, kann ich Menschen in Krisen nicht gut begleiten. Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts. Ich gehe durch tiefe Täler und mit mir meine Familie. Sie glauben, eine Operation würde mir das Leben einfacher machen, doch ich fühle, das ist nicht mein Weg. Ich vertraue meiner Intuition und gehe weiter und weiter und weiter. Zum Glück bin ich Mentaltrainerin und kann mich selbst gut auffangen. Ich glaube so fest an meinen Weg, dass mich nichts erschüttern kann. Und ich erlaube mir endlich, nur das zu tun, was mir guttut. Ich nehme mich viel bewusster wahr und frage mich laufend am Tag, was brauche ich jetzt, was möchte mein Körper gerne tun. Mental fokussiere ich mich auf die guten, manchmal sogar fast schmerzfreien Phasen, denn wenn es zeitweise besser ist, dann passiert irgendetwas in meinem Körper, er kommt zur Ruhe und kann anscheinend heilen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

Seit Mai 2019 kann ich sagen, dass ich schmerzfrei bin.

Ob die Zyste noch da ist? Keine Ahnung, das ist auch nicht wichtig für mich.

Ich habe durch sie so viel gelernt und bin mega dankbar für meine Entwicklungsschritte. Ich kann jetzt sehr gut mit Schmerzen umgehen, sie zeigen mir, wo ich ganz genau hinsehen darf. Ich habe keine Angst mehr vor Krankheiten, denn ich fühle mich nicht mehr hilflos als Opfer der Krankheit ausgeliefert, ich habe immer Wege zur Option. Ich weiß jetzt, was es heißt, sich einer Situation komplett hinzugeben, ich hatte gar keine andere Wahl, Hingabe ist eine großartige Qualität. Ich habe mich an die erste Stelle gestellt, ich war der wichtigste Mensch in meinem Leben (das ist auch heute noch so) und alles was mir gutgetan hat, hatte Prio A.

Ich hatte und habe ein Lebensmotto:

Ich mache mehr von dem, was mir hilft, und weniger von dem, was mir schadet!

Ich bin mental über mich hinausgewachsen. Wenn der Tag mit Schmerzen beginnt, besteht bei mir leicht die Versuchung, dass der ganze Tag im Eimer ist. Hier hat mich Stephen Hawking sehr inspiriert. Er sagt:“ Schau nicht auf das, was nicht mehr geht, sondern auf das, was noch möglich ist.“ Wow, da war bei mir noch einiges möglich im Vergleich zu ihm und darauf habe ich mich konzentriert. Meine Hände sind gesund und ich kann alles erledigen, was für ein Geschenk. Ich wurde sehr dankbar für die Dinge, die ich noch tun konnte. Ich lernte mit Rückschlägen umzugehen. Drei Tage keine Schmerzen, juhu, und am vierten Tag weiß ich vor Schmerzen nicht mehr, wie ich aus dem Bett rauskomme. Macht nichts, ich hatte drei schmerzfreie Tage, dann werden es irgendwann auch fünf Tage werden, einfach weitergehen, weiter, weiter, weiter.

Ich habe auch gelernt, Hilfe anzunehmen, von meiner Familie, die mir viel abnahm. Um Hilfe bitten und anzunehmen, war nicht immer leicht für mich. Und auch passende Hilfe zu suchen, die mich körperlich, seelisch und mental unterstützt, ohne auf das Geld zu schauen, war eine Herausforderung für mich. Und ich habe meinem Umfeld gesagt, dass es mir nicht gutgeht, was für ein Riesenschritt. Ich habe keine fröhliche Maske aufgesetzt, wenn mir zum Heulen war. Ich habe mich so gezeigt, wie ich bin, traurig, deprimiert, hilflos, aber nie so, dass ich jeden vollgejammert habe. Ich habe die Verantwortung für meinen Heilungsweg übernommen und keine Maske aufgesetzt. Wenn ich mich zurückziehen wollte, dann verschwand ich und war weg, diese Freiheit habe ich mir genommen. Und ich habe mit der Zeit das Geschenk dahinter erkannt. Ich erlaube mir, mich nur um mich zu kümmern. Mittagsschlaf, juhu, alleine in den Urlaub, jawoll, Massage, ich komme.

Ich bin mir ganz nah gekommen und habe die viele Zeit für mich sehr genossen, einfach nur SEIN. Jetzt bin ich sehr glücklich, so lange schmerzfrei zu sein. Und wenn ich nur einen kleinen Ansatz von Schmerz spüre, schalte ich sofort zurück, mein Körper ist mein bestes Barometer in Sachen SELBSTFÜRSORGE. Und so habe ich auch erkannt, dass das Thema Selbstfürsorge für alle Frauen so wichtig ist, denn aus einer leeren Schale kannst du nichts geben.

Ich liebe es, Frauen zu begleiten, wenn sie ein Thema mit Abgrenzung und Nein sagen haben. Ich liebe es, mit ihnen in den Wald zu gehen und ihnen einen Raum für sich zu schenken. Ich liebe es, mit ihnen in tiefe Meditationen einzutauchen, denn in jeder Frau, jeder Geschichte erkenne ich auch ein Stück von mir wieder. Doch all das kann ich nur geben, wenn ich in meiner vollen Kraft bin.

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