Kathrin Schweizer – Mobbing in der Schwangerschaft

Kathrin Schweizer – Mobbing in der Schwangerschaft

Mrz 12, 2020 | Frauen inspirieren Frauen | 0 Kommentare

„Mütter machen in diesem Unternehmen keine Karriere.“

Diese Aussage einer früheren Chefin in einem belanglosen Meeting, sollte sich Jahre später noch rächen. Ich war gerade einmal 26 Jahre jung, dachte an internationale Karriere, Aufstieg, Weiterbildung und Abenteuer. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch keinerlei Gedanken um das Thema Familienplanung. Ich und Mutter? „Nein, um Gottes Willen“, antwortete ich immer, wenn mich die Leute darauf ansprachen, wenn sie meinen Ehering am Finger entdeckten.

Tatsächlich hatte ich bereits schon mit 25 Jahren sehr früh meine Jugendliebe geheiratet. Mein Mann hätte sich sicherlich über Nachwuchs gefreut, allerdings lagen meine Interessen zu diesem Zeitpunkt in einem ganz anderen Bereich. Ich wollte unbedingt Karriere machen. Mein Vater war dabei schon eh und je mein großes Vorbild gewesen. Als Kind war er im Kinderheim groß geworden und hatte sich ohne Berufsausbildung die Karriereleiter hochgearbeitet. Er war Workaholic, mit wenig Zeit für die Familie und verstarb sehr jung und plötzlich kurz nach meinem 17. Geburtstag bei einem Autounfall auf dem Rückweg einer Dienstreise. Der Verlust meines engsten Vertrauten und Seelenverwandten war nicht nur schmerzhaft, sondern auch lebensverändernd. Er formte mich zur Kämpferin, weil ich von heute auf morgen selbst für mein Leben einstehen musste.

Meine Leidenschaft

Daher brannte ich umso mehr für meinen Job im Personalmanagement bei einem weltweit bekannten Konsumgüterunternehmen. Firmenevents mit meinen hippen Arbeitskolleginnen in New York, München oder Dubai in Verbindung mit schicken Partys und Outfits, standen auf der Agenda. Genau wie die Verantwortung für einen großen Aufgabenbereich, mein Ansehen im Unternehmen oder die anteilige Kostenübernahme für mein Fernstudium. Dies alles ließ mich die unzähligen Überstunden zu den unmöglichsten Uhrzeiten vergessen, mein Berufs- und Privatleben verschmolzen so sehr miteinander, dass Arbeitskollegen zu Freunden wurden, Freunde zu Fremden.

Ich war gewillt alles zu geben und entwickelte mich rasant zur Potential- und Wissensträgerin. Im Laufe meiner jungen Jahre war ich unbeabsichtigt zum Eigentum einer Firma geworden, ganz nach dem Vorbild meines Vaters. Noch ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, was dieser Job noch alles mit sich bringen sollte.

Als ich eines Morgens völlig unerwartet mit einem seltsamen Klopfen im Ohr erwachte und mein Hausarzt kurze Zeit später eine Tinnitus Diagnose stellte, kam ich und mein selbst erschaffenes Hamsterrad erstmalig zum Stillstand. Mein Hausarzt verordnete mir daraufhin ausdrückliche Ruhe. Eine Zeit, die rückwirkend betrachtet – ganz zur Freude meines Mannes – Auslöser meines Kinderwunsches wurde.

Meine Schwangerschaft

Und tatsächlich hielt ich ein knappes Jahr später, im Oktober 2013, einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Das empfundene Glück über die anstehende Veränderung sollte jedoch leider nicht von Dauer sein. Die bittere Wahrheit des diskriminierenden Spruches gegen Mütter holte mich schneller ein wie mir lieb war. Gemeinsam mit der Verkündung meiner Schwangerschaft begann ein nicht endend wollendes Martyrium, das mich oft bis an den Rand meiner körperlichen Kräfte brachte. Druck und Schikanen gepaart mit einer immensen unmenschlichen Arbeitsbelastung, standen an der Tagesordnung.

Trotz meiner fast täglichen Beschwerden und Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen, zeigten sich langsam aber sicher, ungewollt, erste Auswirkungen des Stresses in Form von schlechten Schwangerschaftswerten. Irgendwann, so erinnere ich mich, stand ich nach einer Routineuntersuchung, völlig aufgelöst vor der Tür meiner Frauenärztin. Dabei hielt ich ein Dokument in den Händen, auf dem notiert war: Von nun ab darf Ihre Mitarbeiterin nur noch 20 Stunden pro Woche arbeiten. Bitte entlasten Sie Ihre Mitarbeiterin umgehend, ansonsten muss ich diese komplett aus dem Verkehr ziehen. Das Leben von Kind und Mutter ist durch die Tätigkeit in Ihrem Unternehmen gefährdet. Um genauer zu sein, ich hatte ein Teilzeitbeschäftigungsverbot erhalten, mit der Absicht meinen Arbeitgeber wachzurütteln. Was dann aber tatsächlich passierte, steht für das Sinnbild von Intoleranz gegenüber Müttern. Anstelle für Ersatz zu sorgen und mich zu entlasten, bat man mich, trotz Kostenerstattung durch die Krankenkasse, meine Ausfallzeit heimlich im Homeoffice zu leisten. Vermutlich kam das Vollzeitbeschäftigungsverbot anschließend zu spät. Denn keine drei Wochen später landete ich mit Komplikationen für mehrere Wochen in der Frauenklinik.

Mein Weg zu mir selbst als Mutter

Den restlichen Teil meiner Schwangerschaft musste ich daraufhin nahezu komplett im Liegen verbringen. Eine Zeit, die eigentlich mit die schönste im Leben einer Frau sein sollte, wurde damit zu meinem persönlichen Alptraum. Ganz zu schweigen von den tiefgreifenden Ängsten um das Leben meines Babys. Als mein Sohn dann gesund geboren wurde, änderte sich meine komplette Welt und mit ihr auch ich.

Auf einmal war da ein Mensch, der Gefühle in mir auslöste, die ich in meinem Leben bis dato noch nie in dieser Form und Intensität erfahren hatte. Eine Liebe, die alles einnimmt und alles was ist und war bedeutungslos erscheinen lässt. Meine Elternzeit nutzte ich daraufhin, um mein Fernstudium im Bereich Wirtschaftspsychologie nahezu abzuschließen. Aufgrund der Schwangerschaftskomplikationen war ich zunächst gezwungen gewesen dieses auf Eis zu legen.

Blauäugig, wie ich zu diesem Zeitpunkt noch war, machte ich mich nach einem Jahr Elternzeit an die Planung meines Wiedereinstieges in Teilzeit. Dabei stellte ich schmerzhaft fest, dass sich zwar viele Unternehmensstrukturen verändert hatten, die unerwünschte Stimmung war bedauerlicherweise geblieben. Trotz Teilzeitantrag hatte man mir, ganz ähnlich wie bereits im Beschäftigungsverbot geschehen, meine alte überstundenbeladene Vollzeitstelle zurückgegeben und sich geweigert Ersatz einzustellen. Zusätzlich steckte ich noch Mitten in meinem Studiumsabschluss, sollte für mehrere Wochen eine Kollegin vertreten, nachts Überstunden arbeiten und hatte einen Schlechtschläfer als Kind. Die Liebe zu meinem Sohn war jedoch so stark, dass ich aus Eigenschutz nicht bereit war dieses Dilemma erneut mitzumachen. Deshalb war mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit letztlich von Vornherein zum Scheitern verurteilt.  

Coaching als Lebensveränderung

Dies war der Zeitpunkt, zu dem ich mir zum ersten Mal in meinem Leben Unterstützung in Form eines Coachings suchte. Mir ging es schlecht wie lange nicht. Ich war verzweifelt und beschämt, weil ich partout nicht aufgeben wollte. Durch das Coaching bemerkte ich letztlich erst, welche festgefahrenen Verhaltensweisen sich über die Jahre bei mir entwickelt hatten. Ich lernte mich mit meinen eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, die ich viele Jahre überhaupt nicht ernst genommen hatte. Außerdem erkannte ich, dass ich einem Vorbild gefolgt war, das gänzlich andere Wertevorstellungen vertrat.

Mein Beschäftigungsverhältnis endete letzten Endes in einer unschönen rechtlichen Auseinandersetzung, die vier Jahre andauern sollte. Auf einmal hörte ich nichts mehr von meinen Arbeitskollegen, die sich eigentlich einmal Freunde nannten.

Aufgeben ist Stärke

Diese schmerzhafte Erfahrung war ein Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung. Sie lehrte mich so vieles, aber vor allem, dass Aufgeben keine Schwäche ist. Vielmehr zeigt es Stärke, weil ich Dinge akzeptiert habe, die man nicht ändern kann und auch als „Kämpferin“ durchaus auch einmal schwach sein darf. An erster Stelle stehen in meinem Leben heute dabei vor allem die Bedürfnisse von meiner Familie und mir. Auch beruflich habe ich mich komplett verändert. In der Elternzeit meines zweiten Kindes entstand der große Wunsch nach einer neuen sinnstiftenden Tätigkeit, die zusätzlich eine lebbare Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.

Es war mir ein Anliegen mein über die Jahre angesammeltes und vor allem tiefgreifendes Fachwissen weiterzugeben und den Menschen einen Mehrwert zu bieten. Nach viel Recherche, Planung und Organisation, gründete ich daraufhin im Jahr 2019 erfolgreich die erste Agentur für Arbeitszeugnisse in der Metropolregion Rhein-Neckar, die Zeugnisschmiede. Ein Dienstleistungsunternehmen, das Firmen, Privatpersonen und Kanzleien rund um das Thema Arbeitszeugnisse unterstützt.

Wo stehe ich heute?

Heute bin ich unendlich dankbar für diese Möglichkeit und auch dankbar für die Niederlage in meinem Leben, die mir gezeigt hat, wo mein wahres Potential liegt. In meiner tagtäglichen Arbeit als Unternehmerin fließen unheimlich viele Denkweisen meines Vaters ein, der die ganze Familie an seiner Karriere und unternehmerischen Denken teilhaben ließ. Diese Werte werde ich auf jeden Fall beibehalten, wenn auch anders wie vor fünfzehn Jahren. Denn meine Familie und vor allem meine Kinder werden immer an erster Stelle stehen.

Ich hoffe sehr, dass meine Geschichte anderen betroffenen Müttern zeigt, dass Sie nicht alleine sind und es immer einen möglichen (Aus)Weg gibt.

Meine Vision

Auf lange Sicht möchte ich mich als Ansprechpartner Nummer 1 am Markt für Arbeitszeugnisse etablieren. Ich möchte insbesondere für betroffene Mütter Vertrauensperson sein, wenn es im Rahmen ihrer Schwangerschaft oder Elternzeit zur Ausstellung eines Arbeitszeugnisses kommt. Meine Erfahrung und die meiner Kundinnen hat gezeigt, dass sich hier bereits erste Konflikte in Form von Geheimcodes im Arbeitszeugnis abzeichnen. Als ehemals Betroffene weiß ich, wie hilflos man sich in so einer Situation fühlt.

 

Aus diesem Grund möchte ich im Rahmen dieses Artikels drei Müttern eine Zeugnisberatung im Wert von jeweils 149,- Euro schenken. Schaut einfach vorbei und sprecht mich an auf:

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