Jessica Strobach-Möckel – Warum unsere dunkelsten Momente das größte Potential bieten

Jessica Strobach-Möckel – Warum unsere dunkelsten Momente das größte Potential bieten

Apr 2, 2020 | Frauen inspirieren Frauen | 0 Kommentare

Im April 2016 wachte ich eines Nachts schweiß gebadet auf. Mein ganzer Körper war durch und durch auf Angst programmiert, mein Herz schlug mir bis zum Hals und mir war schlecht. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war, ich wusste nur, dass etwas gewaltig nicht stimmte. In dem Moment spürte ich eine krasse Angst, meinen Mann nicht mehr zu lieben, was mich immer weiter in die Panik trieb, denn ich hatte an dem Tag unsere Hochzeitseinladungen verschickt. Es folgten Monate mit Angstzuständen, Panik und Zwangsgedanken, die immer schlimmer zu werden schienen und immer häufiger auftraten. Eine fiese Stimme in meinem Kopf versuchte mir in Endlosschleife weis zu machen, dass ich meinen Mann nicht mehr liebe, dass ich sowieso eine schlechte Partnerin und Mutter sei und noch einiges mehr. Ich habe diese Stimme – meinen inneren Kritiker – später mit einer Naziaufseherin verglichen. Sie ließ einfach kein gutes Haar an mir, egal wie sehr ich mich bemühte. Denn ich bemühte mich sehr, dass niemand merkte was los war, meinen Alltag zu bewältigen mit einer einjährigen Tochter und meinem Mann in einem neu bezogenen Doppelhaus. Ich verstand es einfach nicht, denn ich hatte doch das, was ich alles wollte und trotzdem ging es mir so schlecht wie nie zuvor.

Ich war verzweifelt.

Über längere Zeit versuchte ich im Außen Lösungen zu finden. Mein Wunsch war es jemanden oder etwas zu finden, der mir die Ursache plausibel erklären konnte und ich hoffte so einen Weg, eine Methode oder ein Mittel zu finden, dass mich sofort erlöste. Heute weiß ich, dass es so nicht funktioniert und das ist auch gut so.

Ich hatte über Jahre schon diverse körperliche Symptome ignoriert. Auch mit mehreren depressiven Episoden war ich noch recht gut klar gekommen in meinem Leben. Selbst eine Krebserkrankung hatte ich gut überstanden. Aber jetzt war es anders. Diese Ängste waren schlichtweg unerträglich, so dass ich gezwungen war nach einer nachhaltigen Lösung zu suchen. Sie trafen mich nämlich an meinem wundesten Punkt, der Liebe zu meinem Mann. Nicht nur einmal war ich kurz davor die Beziehung zu beenden, damit ich mich endlich nicht mehr so fühlen musste. Aber irgendwas in mir sagte, dass sei nicht der richtige Weg und auch keine Lösung.

Irgendwann war ich völlig am Boden und glaubte ein Burnout zu haben. Ich fing daher an mich besser um mich zu kümmern, mir Auszeiten zu nehmen und in mich zu spüren. Ich begann zu meditieren. Das verschaffte mir erste Besserung. Mit einem Coach arbeitete ich an alten Traumata mit einer Klopftechnik (EFT) und begann langsam alte Dinge zu lösen. Das führte allerdings nicht sofort zu Erleichterung sondern weckte auch noch tieferliegenden Gefühle, die ich mir jahrelang nicht erlaubt hatte. Deshalb ging es mir manchmal sogar wieder etwas schlechter bzw. anders. Ich merkte auch Veränderungen in den Beziehungen zu meiner Herkunftsfamilie. Wo ich vorher das Gefühl hatte, alles sei gut, war jetzt auf einmal alles in Aufruhr und ich wurde ständig getriggert. Auch eine völlig neuartige Wut stieg in mir auf. Im weiteren Verlauf verstand ich, dass diese Gefühle, die meines inneren Kindes waren und es nun endlich Raum brauchte um diese auch zu fühlen, ohne dafür abgestraft zu werden. Ich denke um diesen Schritt kommt man nicht herum, wenn man solche psychischen Symptome nachhaltig auflösen will.

Ganz langsam fand ich wieder zu mir.

Ich startete eine tiefenpsychologische Therapie, die mir auch gut tat. Aber ich muss im Nachhinein sagen, dass diese nicht allein für eine Lösung gesorgt hätte. Umso stabiler ich wurde, an umso mehr Themen traute ich mich ran und irgendwann kam auch die lang ersehnte Erleichterung und mir ging es körperlich und seelisch immer besser. Die Angstattacken wurden weniger und selbst wenn eine kam, dann ging ich anders damit um. Denn ich verstand, dass die Angst nicht mein Feind ist und hörte auf dagegen zu kämpfen.

Es folgte eine weitere Entwicklungsstufe in der ich mein Leben, die Umstände, die Gesellschaft und mein Umfeld hinterfragte und auf den Prüfstand stellte. In dieser Zeit hörte ich sehr viel den Happy, holy & confident Podcast von Laura Malina Seiler. Auch eine enge Freundin inspiriterte mich sehr, indem sie ihr Leben mit 5-köpfiger Familie völlig auf den Kopf stellte, alles verkaufte und auf Weltreise ging. Ich wechselte den Job, wir zogen um und verkleinerten uns, wir misteten aus, sowohl seelisch als auch materiell und ich kam wieder zu Kräften. Die neue Energie floss auch immer mehr in sinnstiftende Dinge, die mir keine Energie kosteten sondern welche brachten.

Meinem Mann bin ich auch endlich wieder näher gekommen. Irgendwas tief in mir drin, wusste immer, dass das nicht stimmt, was da in meinem Kopf abläuft. Allerdings hat sich die Liebe gewandelt, von einer völligen Abhängigkeit und dem Wunsch das Glück in jemand anderem zu finden, zu einer Beziehung auf Augenhöhe, wo wir beide den anderen ermutigen und anstacheln, sich weiterzuentwickeln.

Im letzten Jahr habe ich mir dann ein viermonatiges Coaching gegönnt, wo wir die letzten faulen Wurzeln aus dem Boden gerissen haben und nochmal einen Riesenfortschritt in Sachen Selbstliebe und Bestimmung gemacht haben. Danach war ich soweit mich zu zeigen und meine Botschaft in die Welt zu bringen. Denn in nichts können wir anderen einen größeren Mehrwert bringen, als in Problemen, die wir selbst erlebt haben und lösen konnten. Seit dem coache ich nebenberuflich andere Menschen mit Ängsten und freue mich auf alles was noch kommt. Ich bin sogar dankbar, für diese Erfahrung. Das soll nicht heißen, dass ich irgend jemandem wünsche, dass es ihm mal so geht. Aber ohne diese krasse Zeit, hätte ich nicht hingehört und wäre nie aufgewacht. Wäre weiter gefangen geblieben in meinen verschrobenen Glaubenssätzen, ständig getriggert und unbewusst gesteuert von einem wütenden und traurigen inneren Kind von dessen Existenz ich ja keine Ahnung hatte.

Ich möchte allen die Botschaft mitgeben, dass es immer eine Lösung gibt, egal für welches Problem.

Und meistens ist die Antwort einfach Liebe.

Mehr Infos zu meiner Arbeit und meinen Blog gibt’s hier: www.raus-aus-der-angst.com

Alles Liebe
Jessica