Claudia Fitschen – Über viele Umwege zurück zu mir

Claudia Fitschen – Über viele Umwege zurück zu mir

Jan 10, 2020 | Frauen inspirieren Frauen | 0 Kommentare

Alles begann mit einem Schrei, vermutlich, daran erinnern kann ich mich nicht mehr. Ich war ein wunderschönes Baby mit vielen schwarzen Haaren. Ich bin auch heute noch wundervoll und schön. Ich vergesse es nur leider oft, weil da schon lange niemand mehr war, der mir das gesagt hat. Und wenn es mir dann jemand sagt, glaube ich es nicht so recht. Der will bestimmt nur etwas von mir, irgendeine Gegenleistung für das Kompliment. Denn normalerweise wird mir immer nur gesagt, was ich nicht kann und bin.

Es gab einmal Leichtigkeit in meinem Leben. Ich habe Rad geschlagen, Handstand gemacht, alte Oma gespielt. Ich war zuhause behütet, wohl etwas zu viel behütet.

Zwei Mädchen, die in der 5. und 6. Klasse noch meine Freundinnen waren, fingen an mich zu mobben, versuchten mich von meiner besten Freundin fernzuhalten. Die mobbte mich zwar nicht, unternahm aber auch nichts dagegen. Nach und nach beteiligte sich die ganze Klasse. Ich solle mehr aus mir machen. Irgendwann brach ich weinend zuhause zusammen, dachte sogar darüber nach mir das Leben zu nehmen. Meine Mama sprach die beiden Mädchen an und machte die Sache noch schlimmer. Jetzt hieß es, ich würde meine Mama vorschicken und könne mich nicht selber wehren. Wenn mal ein Junge, den ich gut fand, nett zu mir war, habe ich immer gedacht, er verarsche mich. In der Schule wurde ich dadurch immer schlechter.

Besser wurde es als ich für die Oberstufe die Schule wechseln musste. Besser in dem Sinne, dass ich nun ganz allein rumsaß. Eine neue Freundin nahm sich meiner an, die ich selbst in der 10.Klasse angesprochen hatte. Das Abitur habe ich mit Ach und Krach mit einer mündlichen Nachprüfung geschafft. Leider wusste ich nie was ich werden wollte, irgendwas im Büro. Ich habe 100 Bewerbungen geschrieben und genauso viele Absagen bekommen. Mein Vater meinte, ich solle Steuerfachangestellte werden, das sei ein sicherer Beruf. Ich habe dort eine Ausbildungsstelle bekommen, also wurde ich Steuerfachangestellte. Ich war immer fleißig, aber nie richtig glücklich. Ich habe überlegt, ob ich Buchhändlerin werden sollte, Verlagskauffrau, Journalistin oder irgendetwas mit Medien. Aber irgendetwas sprach immer dagegen und wenn es nur die Angst war von vorne anzufangen. Also machte ich den Bilanzbuchhalter, musste die mündliche Prüfung wiederholen, aber habe es geschafft.

Um etwas Neues zu probieren, wechselte ich das Büro, nun arbeitete ich in meiner Heimatstadt. Aber Buxtehude wurde mir viel zu klein, ich wollte in die Großstadt und zog nach Köln. Nur merkte ich dort, dass das Problem nicht die Kleinstadt war und ging nach einem Jahr und vier Monaten wieder zurück, dieses Mal in eine noch kleinere Stadt mit 6.000 Einwohnern. Und ich habe einen anderen Job angefangen, weil ich mir gesagt hatte, den Job hole ich mir. Ich war jetzt Buchhalterin. Hier fühlte ich mich total ausgegrenzt, war gefühlt an allem Schuld. Nach vier Monaten ging ich wieder in mein altes Steuerbüro. Da hatte ich mich ja wohl gefühlt. Aber Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, auf einmal hatte ich keine festen Aufgaben mehr. Ich hatte mich verändert, es war einfach nicht mehr das was ich wollte.

Wenn ich das so schreibe, merke ich gerade, dass das Leben mir ziemlich deutlich zeigte, dass ich was ändern sollte.

Ich folgte ein Jahr einem Coach bei Facebook, fragte mich, wie mein Leben in fünf Jahren aussehen würde, beantwortete mir die Frage mit genauso oder eher noch unglücklicher und buchte mir den Coach. Immerhin wusste ich jetzt, was ich machen wollte, anderen Menschen helfen. Ich machte ein Fernstudium zum Personal Coach und lernte eine Menge über mich selbst. Ich wurde gelassener, machte mir einen Plan, noch 250 Tage Steuerfachangestellte. Und ich zog es durch. Ich machte zwei Monate Kinderanimation, ich liebe Kinder und alte Menschen, die sind bedingungslos ehrlich, so wie ich.

Danach habe ich angefangen, in einem Musical zu arbeiten und Merchandise Artikel zu verkaufen. Und ich wurde Coach, konnte aber noch nicht mit voller Leidenschaft darüber reden. Weil es nicht meine Leidenschaft ist Lektionen auszuarbeiten. Meine Leidenschaft ist es vor der Kamera zu stehen, wenn auch nur als Komparse, ich finde all das Drumherum interessant, meine Leidenschaft ist das Schreiben, das Reisen, Afrika, Schalke, alles was mit Polizei, Morden etc. zu tun hat. Mysteriöse Todesfälle, mysteriöse Geschichten wie bei X-Factor, ich liebe es (Ja, mich fasziniert der Tod).

Ich vermisse meine Oma, deren Lieblingsenkelin ich war und einen Mann an meiner Seite. Ach ja, die Internetbetrugsgeschichte des angeblich amerikanischen Soldaten habe ich vergessen, in den ich mich über sechs Wochen verliebt habe, der ein Teil meines Lebens war, für den ich gebetet habe, und der dann 3.000 Dollar von mir haben wollte, weil er sonst angeblich nicht nach Hause könnte und mir damit zeigte, dass er ein Betrüger ist. Ich habe einen Hang zu komischen Typen.

Ich bin stolz darauf, dass ich Patentante von der Erstgeborenen meiner besten Freundin bin, ja die von damals, wir sind jetzt fast 29 Jahre befreundet. Ich bin stolz darauf, dass ich meinen Plan durchgezogen habe, dass ich in Kenia in einem Kinderheim geholfen habe, dass ich über die chinesische Mauer geklettert bin, dass ich mir selbst treu geblieben bin.
Ich wünsche mir, dass ich mehr Vertrauen habe, dass ich mich mehr feiern würde (ich habe drei Bücher in einem Verlag veröffentlicht, aber ich bin nicht stolz darauf, weil sie fast nicht verkauft wurden), empfangen kann, eine dauerhafte Verbindung zu Gott finde.

Ich merke gerade, ich habe meine Familie vergessen. Ich liebe sie alle, aber manchmal gehen mir meine Eltern mit ihren Sorgen echt auf die Nerven und meine Schwägerin mit ihrem Gejammere. Ich schaue oft zu meinem Bruder auf, weil er viele Freunde hat, seinen Job schon immer liebte, Familie hat und manchmal vermisse ich ihn, weil wir nur selten was zu zweit machen und das wenn immer so viel Spaß macht. Aber ich glaube manchmal schaut er auch zu mir auf.

Und heute?

Ich habe Klarheit für mich gefunden. Ich folge meinem Herzen und möchte andere ermutigen das auch zu tun. Mein Rat an dich: Suche das Glück nicht bei anderen, finde es in dir selbst.

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