Biggi Hägemann – mein Weg zum UBOMI-Projekt

Biggi Hägemann – mein Weg zum UBOMI-Projekt

Nov 30, 2020 | Frauen inspirieren Frauen | 1 Kommentar

Ubomi bedeutet Leben

It always seems impossible, until it´s done (Nelson Mandela)

Ubomi ist Xhosa und bedeutet Leben.  Was es für mich bedeutet, möchte ich Euch gerne erzählen und vielleicht auch etwas Mut machen, sich vom Leben leiten zu lassen und sich einer Herzenssache hinzugeben. Hingabe, im wahrsten Sinne des Wortes, ist etwas Tiefes und Erfüllendes.

„Sich ernsthaft um andere zu sorgen, sowohl im privaten wie öffentlichen Leben, würde uns der Welt, nach der wir uns so sehnen, sehr viel näher bringen.“ Ein Zitat von Nelson Mandela – Freiheitskämpfer, Vater der Nation, erster demokratisch gewählter Präsident Südafrikas. Ein Mann, der trotz 27 Jahren politischer Gefangenschaft nicht aufgegeben hat, an eine bessere Welt zu glauben und der Millionen von Menschen bis heute inspiriert.

Diese Inspiration strahlt in unseren Ubomi-Häusern hinein. Häuser, die wir für Straßenkinder in den Brennpunkten der Townships in Kapstadt eröffnet haben. Sichere Inseln in einem oft bedrohlichem Umfeld, in denen die Kinder etwas zu Essen bekommen, Fürsorge und Liebe erfahren, sich und ihre Talente entwickeln können und lernen ihr Leben und ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.

Mit dem Zitat von Nelson Mandela „It always seems impossible until it´s done“ haben wir uns vor vier Jahren selbst Mut gemacht, um Ubomi zu gründen und das erste Haus zu eröffnen. Wir sind drei  Freunde, die gemeinsam ihrem Herzen gefolgt sind. Neben mir sind das noch Thomas Meisterknecht und seine Frau Kholeka Matiwane. Tommy ist damals der Liebe wegen nach Kapstadt gezogen und lebt auch heute noch mit Khosi und ihren Kindern dort. Tommy ist als „Umlungo“ (xhosa für Weiß) ein absoluter Exot. Auch für mich ist die Zeit im Township, die zwei Monate im Jahr, die ich dort verbringe, immer sehr besonders und schwer zu beschreiben. Vor Antritt meiner ersten Reise nach Kapstadt, direkt hinein in die fremde Welt des Townships, waren meine Gefühle ein Gemisch aus Neugierde und Angst. Heute verbinden mich mit dieser Welt viele bewegende, manchmal traurige, oft schöne, auf jeden Fall tiefgreifende Geschichten.

Die Kinder im Brennpunkt des Townships Khayelitsha, Wohnort meiner ersten Reise, sind mir im Galopp ins Herz gesprungen. Ich konnte jedoch auch nicht die Umstände übersehen, in denen viele Kinder dort  aufwachsen. Das Leben findet hauptsächlich auf der Straße statt. Was auf den ersten Blick lebendig wirkt und mich manchmal sogar romantisiert an eine unbeschwerte Kindheit mit langen Tagen an der frischen Luft zusammen mit vielen anderen Kindern erinnert, hat hier einen ganz ernsten Hintergrund..

Ungleich verteilte Chancen führen zu Arbeits- und Perspektivlosigkeit – mit allen Konsequenzen.

Am meisten leiden darunter die Kinder. Sie werden vernachlässigt, bekommen häufig nichts zu essen und sind oft ganz allein auf sich gestellt. Sie verbringen ihre Zeit auf der Straße und sind hier vielen Gefahren ausgesetzt. Die Auswirkungen habe ich häufig gesehen und zum Teil auch erlebt. An viele Dinge habe ich mich schnell gewöhnt – etwa an den lauten Grund-Beat des Townships, den Anblick der zum Teil nur acht Quadratmeter großen Wellblechhütten und daran, ebenso wenig immer fließendes Wasser wie eine Privatsphäre zu haben. Hungernde und leidende Kinder sind dagegen ein Anblick, an den ich mich nie  gewöhnen werde.

Auch das Leben mit ständiger Unsicherheit und Angst spüre und erlebe ich nicht selten.. Bewaffnete Jugendliche etwa sind keine Seltenheit auf der Straße. Aufgrund von Armut, Chancenlosigkeit und als Folge der Apartheid hat das Leben nicht selten einen geringeren Stellenwert. Leben auf der Straße wird zum Überlebenskampf.  Kinder sind hier einer permanenten Gefahr ausgesetzt – ein Zustand, der – wenn auch gewohnt – nie erträglicher wird. Eltern fürchten ständig, dass ihre Kinder Opfer von Bandenkriegen, Vergewaltigungen, Raubüberfällen oder ähnlichem werden. Kinder, die – meist aufgrund schlimmer Schicksalsschläge – aus den Gemeinschaften fallen, gehen verloren. Sie werden nicht mehr gut versorgt oder sie suchen sich neuen Halt –manchmal leider auch bei kriminellen Vereinigungen oder in schlechten Abhängigkeitsverhältnissen.

Genau für diese Kinder möchten wir da sein. Mit unseren Ubomi-Häusern geben wir inzwischen weit mehr als hundert Kindern und Jugendlichen einen Raum, einen sicheren und schönen Ort. In dem Zusammenhalt wächst und aus Gemeinschaft Perspektive entsteht. Wo sie familiäre Wärme und Lebensfreude erfahren. Wo sie sich und ihre Talente entwickeln können. Wo Leben im Zentrum steht. Ubomi bedeutet Leben. Ein Leben ohne Ubomi wäre für diese Kinder, ebenso wie für mich, undenkbar.  

Webseite: https://www.ubomi.net
Facebook: https://www.facebook.com/ubomi.net
Instagram: https://www.instagram.com/ubomi_net/