Coronavirus: Replay SARS 2003

Coronavirus: Replay SARS 2003

von | Jan 25, 2020 | Coronavirus, Mum'sventure, Persönlichkeitsentwicklung | 0 Kommentare

Die neue Epidemie des Coronaviruses und der Spiegelartikel über Wuhan erinnert mich an SARS 2003. Genau zu der Zeit war ich das erste Mal in Beijing. Ich hatte einen Austauschplatz an der Universität bekommen und gerade mein Abenteuer China gestartet.
 
IN China ist es IMMER wuselig auf den Straßen, das Leben findet genau dort statt. Kleine Lädchen aneinandergereiht, Essküchen mit verschiedenen Gerüchen, Massageshops, Smalltalk, gemeinsam Musik machen.
 
Ich war als Lao Wai (Ausländer) in einem extra Trakt der Universität in einem 2-Bett-Zimmer untergebracht. Es war eine wunderbare Zeit. Freundschaften entstanden, gemeinsame Essen an großen runden Tischen. Für wenige RMB köstliches chinesisches Essen. Wir besuchten alle möglichen Sehenswürdigkeiten, reisten zu neuen Orten, gingen in kleine Shows und zum Friseur, um uns die Haare mit viel Shampoo für 1 Euro 1h massieren zu lassen.
 
SARS bekamen wir am Anfang nur am Rande mit. Natürlich immer auf den ausländischen Medien schauend. Vieles war zensiert, aber mit VPN hatte man doch Kontakt auf alle Seiten.
 
Die Berichterstattung war ungefähr so wie im Moment. Nur dauerte alles etwas länger. Man hörte von Fällen, Orten und bekam ein mulmiges Gefühl. Im Gegensatz zu Shanghai traf es Beijing viel heftiger. Viel mehr Infizierte, viel mehr Tote.
 
Es wurde ruhig auf den Straßen. Läden öffneten nicht mehr ihre Türen. Wir trugen schon lange Masken, wenn wir ausgingen. Und das nicht mehr nur wegen der Luftqualität (das wären andere Geschichten zu erzählen).
 
Es wurde noch stiller. Die Ausfahrstraßen gesperrt und Beijing glich vergleichsweise einer Geisterstadt. Angehörige zu Hause machten sich Sorgen.
 
Wie in Wuhan hörten wir das Gerücht, dass der Beijinger Flughafen gesperrt werden sollte und man nicht mehr rauskam. Das war der Punkt, an dem viele von uns entschieden, zurück in die Heimat zu kehren. Das tat ich auch. Die Uni versprach uns die Möglichkeit eines Tages zurück zu kehren. Und so kam ich 1 Jahr später zurück und verlängerte sogar noch meinen Aufenthalt, um die Sprache besser zu lernen.
 

Am Ende verbrachte ich insgesamt 10 Jahre meines Lebens in China.